Mediengestalter » Traumberuf: Mediengestalter?

Liest man in den Szene-Foren mit, bekommt man überall zu hören, dass ca. 70% der dort anwesenden (egal ob 12 oder 18 Jahre alt) davon träumen, nach der Schule eine Ausbildung zum/zur Mediengestalter/in zu machen oder ein Studium in der Richtung zu ergreifen. Ebenso liest man dann, dass diese Sparte vollkommen überlaufen ist und man sich doch lieber umorientieren sollte, um später nicht auf der Straße zu stehen.
Aber woher kommt der Wunsch zu diesem Beruf? Und woher die Beurteilung der Branche? Sollte man darauf hören oder lieber an sich selber glauben?

Der Wunsch ist gerade in der Grafikszene so groß, weil hier fast alle Erfahrungen mit Photoshop oder ähnlichen Programmen gesammelt haben und dann natürlich gerne das Hobby zum Beruf machen wollen. Da spricht natürlich auch nichts gegen. Jugendliche, die bei der Jugendfeuerwehr sind, wollen zum Teil später auch zur Berufsfeuerwehr. Jeder hat nun mal Interessenschwerpunkte, die er gerne auch vertiefen und damit sein Geld verdienen möchte. Also ist es nur allzu gut nachzuvollziehen, dass viele der Jugendlichen, die sich in der Grafikszene tummeln und evtl. sogar eine eigene Homepage betreiben, später mal in eine ähnliche Richtung wollen.

Aber wie sehen denn derzeit die Chancen in dem Bereich aus?
Die Warnungen, dass die Branche überlaufen ist, kommen nicht von ungefähr. Man kann dies schon durchaus begründen. Immer mehr junge Menschen können gut bis sehr gut mit den neuen Medien umgehen, bringen teils sehr gute Vorkenntnisse mit und da haben die Ausbildungsbetriebe die freie Wahl. Es gibt eindeutig wesentlich mehr Bewerber als Stellen. Das ist zwar in fast allen Berufen so, aber in der Medienbranche hat dies in den letzten Jahren extrem zugenommen.
Wenn man hier einen Fuß in die Tür bekommen möchte, sollte man am besten schon mal das Abitur vorweisen können. Ohne dieses wird man meist nicht einmal mehr berücksichtigt. Dann zählen natürlich auch hier die Standardeigenschaften wie: gutes Deutsch, Offenheit (wichtig für Kundengespräche), enorme Lernbereitschaft (oft muss man sich das Wissen über die Programme eigenverantwortlich in der Freizeit beibringen) und ein gewisses Teamgefühl (wenn das ganze Team Überstunden macht, geht es leichter von der Hand, als wenn man da alleine sitzt). Einige schaffen es aber auch einfach über Vitamin-B. Da darf man sich leider nichts vormachen.
Hat man es geschafft, einen Ausbildungsplatz zu finden, kann man davon ausgehen, dass die 40-Stunden-Woche nur auf dem Papier existiert und die Ausbildungsvergütung weit vom Tarif entfernt ist. Laut diesem bekommen Mediengestalter-Azubis nämlich ca. 800€ brutto. Die Realität sieht leider eher 300 – 500€ brutto vor. Große Sprünge sind da meist nicht drin.

So viel zur Theorie.
Ich selbst habe das Glück, dass ich am 1. August 2009 eine Ausbildung zur Mediengestalterin anfangen konnte. Wie sieht also meine Realität aus?
Montags und dienstags muss ich zur 40km-entferneten Berufsschule fahren und lerne dort jeweils 8 Stunden lang etwas über Drucktechniken, Gestaltungsprinzipien, Netzwerktechnik und Websitegestaltung. Außerdem haben wir noch Mathe (druckspezifische Aufgaben), Englisch, Deutsch, Religion und Politik. Das meiste im 2-wöchigen Wechsel. Hausaufgaben gibt es zum Glück selten. Die Lehrer wissen um die Arbeitszeiten der Azubis. Die restlichen Tage hat man eigentlich einen 8 Stunden-Tag, der oft aber auch mal zum 9- oder 10-Stunden-Tag wird. Überstunden sind selbstverständlich und widersprochen wird da nicht. Wenn ein Kundenprojekt fertig muss, muss es fertig und da müssen alle mit ran. Ohne Diskussionen. So hart das jetzt vlt. auch klingt, wenn man ein angenehmes und nettes Team hat, gehen auch die Überstunden leicht von der Hand.
Falls ihr euch jetzt fragt, was ich an einem normalen Arbeitstag so mache: Satzarbeit (Zeitungsanzeigen, Visitenkarten, Flyer…), Autobeschriftungen (setzen, produzieren und aufs Auto bringen), Druckweiterverarbeitung (Schneiden, Ösen, auf Platten ziehen, in Display-Ständer einarbeiten…) und Außenmontagen (Drucke an nicht-bewegbare Flächen bringen).
Der Betrieb in dem ich arbeite ist relativ vielseitig und so lernt man alles ein wenig kennen. Für mich ist es die perfekte Arbeit, weil mir der Wechsel von sitzender zu stehender Tätigkeit sehr gut bekommt. In Agenturen sieht der Alltag natürlich ganz anders aus.

Wenn ihr noch allgemeine Fragen habt, könnt ihr diese gerne an mich richten und ich werde versuchen sie zu beantworten. Ich kann sicher nicht über alles reden, aber fragen könnt ihr gerne. Und vielleicht findet sich auch noch jemand, der in einer Agentur arbeitet und aus seinem Alltag berichten kann?!

9 Kommentare 17.04.10geschrieben von Mausz

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